Liebe Leser,

 

ein ereignisreiches und arbeitsames Wochenende liegt hinter uns.

Die Zeit bis zum Tag X, an dem wir den Mast probestellen und das erste Mal die Segel an unserer Sirocco hochziehen werden, schreitet immer schneller voran. Im Terminkalender steht für die nächsten Wochenenden mit dicker roter Schrift: Bootarbeiten!

Für das letzte Wochenende hatten wir uns einiges vorgenommen. Der Chef der Bootswerft hat unsere Yacht beim Einbau der Heizung wieder in eine komplette Katastrophe verwandelt. Ich hatte unsere SevenSeas seit dem Neckartörn nicht mehr gesehen und war daher entsprechend geschockt.

Da wir von Samstag bis Montag auf dem Halbtonner übernachten wollten, war Ärmel hochkrempeln und das Schiff wieder bewohnbar machen angesagt. Den Termin beim Segelmacher hatte Stephan vorher von morgens auf abends verschoben, so dass wir vorher noch einiges arbeiten konnten. Während ich mich daran machte die achtlos hingeschmissenen und herumliegenden Teile aufzuräumen und die Schapps auszuwaschen, nahm sich Stephan dem technischen Chaos an. Beim Begutachten der Arbeiten des Werftchefs, stellte sich das alles als totaler Pfusch heraus. Kein Wunder, dass durch so etwas die Weiterarbeit enorm gebremst wird, wenn man sich auf den sogenanten „Fachmann“ nicht mal verlassen kann und alles nachkontrolliert, beziehungsweise nachgearbeitet und im häufigsten Fall dadurch verursachte Schäden behoben werden müssen. Um ein paar Beispiele zu nennen:

Beim Einbau der Heizung wurde die Wasserleitung verbogen und angeflext, war somit nicht mehr dicht und erst nach mehrmaligem Löten konnte das beschädigte Teil wieder eingebaut werden. Allerdings tropft es immer noch unterm Abfluss, woran das nun wieder liegt ist noch unklar. Der Kühlwasserfilter wurde nicht mehr an der Motorwand festgeschraubt, er lag lose auf dem Motor. Die zusätzlich eingebaute Dieselentlüftungspumpe war auch nicht befestigt worden.

Damit die alten Plastikklampen durch welche aus Aluminium ersetzt werden können, hatte Stephan den Werftchef beauftragt innen ein Rechteck aus der Holzwand herauszuflexen, damit man überhaupt an die Schrauben der Klampen herankommt. Dadurch wurde das GFK versehentlich bis ins Cockpit durchgeflext und nur einer der dabei entstandenen Schnitte wurde wieder zugespachtelt. Das Hinmontieren der neuen Klampen muss daher aufs nächste Wochenende verschoben werden, weil der Chef der Werft auch nie Zeit hat seine Schäden zu beheben und ständig wegrennt.

 

Fast dreieinhalb Stunden dauerte der Termin abends beim Segelmacher, war aber sehr aufschlussreich und hielt sogar eine Überraschung für Stephan und mich bereit. Zu unserer Freude haben wir eine Ersatzfock, von der Stephan total vergessen hatte, dass es sie überhaupt gibt.

Der Segelmacher zeigte uns das neue Rigg der SevenSeas und die ausgebesserten Segel. Bei dem Gespräch merkte man sofort, dass der Typ einfach Ahnung hat. Schön, dass nicht alle so sind, wie unser Werftchef!

Allerdings versuchte er uns einige Bedenken einzureden, da wir mit dem noch ungetesteten Boot direkt eine mehrwöchige und weite Überführung planen. Ihm wäre ein Probeschlag auf dem Ijsselmeer doch lieber, wo wir seiner Meinung nach noch auf qualitativen Service zurückgreifen könnten. Tja er mag wohl Recht haben, aber die Flüge sind gebucht und unsere Segelleidenschaft und Vorfreude ist auch nicht mehr zu bremsen.

Sehr spät, jedoch frisch geduscht fallen wir in unsere Koje.

 

Am Sonntag mehrten sich die Arbeitsdurchhänger. Dennoch bekamen wir das Deck wieder blitzeblank geschrubbt. Ich putzte unter Deck weiter und Stephan entfernte die alten Dichtungsfugen an der Teakfußleiste. Gemeinsam dichteten wir diese wieder mit Tikaflex ab.

Da Stephan danach schon ziemlich geschafft war, arbeiteten wir Montagmorgen daran weiter. Später wusch ich den Cockpitboden aus, der ja auch noch angeschliffen und gestrichen werden muss und den Bereich im Achterschiff, an dem die Gasflasche verstaut ist. Nach einer Weile meinte Stephan, dass es besser sei den Landstromstecker zu ziehen, damit ich von den vielen Kabeln keinen Schlag abbekäme.

Am Nachmittag musste Stephan wieder arbeiten und wir hatten beschlossen, dass ich alleine weitermache und er mich dann abends abholt.

Ich wollte mich erst einmal dem eingestaubten Geschirr annehmen, da es unter Deck dank der Heizung viel angenehmer war. Nach einer Weile dachte ich darüber nach, den Landstrom wieder anzuschließen, da Heizung, Innenbeleuchtung, Radio, Wasserpumpe und Kühlschrank doch sicher so einiges an Strom verbrauchten. Zum Landstrom zu kommen war gar nicht so einfach. Ungünstigerweise war der Steg der Wassergarage gerade an dieser Stelle total zugestellt. Auf einem Bierbanktisch lag quer unser kaputtes Schlauchboot und man musste sich an diesem festhalten oder unten durchbücken, um zum Stromanschluss zu gelangen. Ein wirklicher Drahtseilakt. Ich kam aber vorbei und als ich den Strom wieder angeschlossen hatte, dachte ich mir noch: „Oh ich muss aufpassen, dass ich nicht ins Wasser falle!“ Ich klammerte mich an das quer liegende Schlauchboot, es kam ins Rutschen und ich fiel. Im Fallen konnte ich mich gerade noch an dem Bügel unseres Ankers festhalten.     Tja und da hing ich nun mit dem kompletten Unterleib im dreckigen Brackwasser des Neckarsseitenarmes. Ich ergriff den vorderen Festmacher und hangelte mich zur Klampe am Steg. Nachdem ich mich hochgezogen hatte, entledigte ich mich erst einmal der nassen Kleider und verzog mich ins Schiffsinnere. Gott sei es getrommelt und gepfiffen, dass wir die Heizung einbauen lassen haben. Die nassen Sachen, bis auf Hose und Schuhe waren dank dieser nach ca. zwei Stunden wieder trocken. Von mir selbst überrascht, dass ich die Sache relativ locker sah, arbeitete unter Deck weiter, nachdem ich mich mit Waschlappen und Seife abgewaschen hatte.

Als ich jedoch die Schublade für das Besteck wieder in den Schrank unter dem Herd schob, bekam ich diese nicht mehr auf, um den Besteckkasten hineinzutun. Ich tat mein Bestes, doch es wollte einfach nicht klappen. Als ich mir den Herd etwas genauer besah, dachte ich mir: „Also irgendwie steht der komisch da. Das liegt bestimmt am Herd.“ Alleine konnte ich ihn jedoch nicht anheben. Nun war ich doch so weit, mir ein Zarewitsch zu genehmigen.

Als Stephan mich abholte, fiel auch ihm das mit dem Herd auf und was war wieder einmal das Problem … der Werftchef hatte beim Heizungseinbau den Ofen nicht wieder in die kardanische Aufhängung, sondern einfach nur auf den unteren Schrank gestellt. Das Holz wurde dadurch beschädigt und das war auch der Grund, weshalb die Besteckschublade nicht mehr zu öffnen war.

Über meinen unfreiwilligen Badegang konnte Stephan nur lachen. Und sicher wäre es auch zum Lachen gewesen, wenn nicht so einiges hätte schief gehen können. Zum Beispiel wenn ich mit dem Kopf an den Anker, das Boot oder den Steg geknallt wäre, ja das wäre dann nicht mehr witzig. Stephan meinte, dass in Zukunft für mich nun grundsätzlich eine Rettungswestenpflicht bestünde, sobald ich mich auch nur in die Nähe von Wasser begeben würde. Na ja, ist ja zum Glück alles gut gegangen!